28.04.09 Tag XI
Immer munter, rauf und runter
Runter auf den Boden und „hopp hopp“ ab durch die Ringe robben! Ein Seil hinauf und balancieren. Zu einem Pfosten im Boden sprinten und wieder fünf gebückte Runden im Vollgas um jenen Pfosten rasen. Auf ein Netz hinauf und wieder nieder auf allen Vieren dieses überqueren. Einen Steilhang hoch, auf der anderen Seite wieder abseilen. Noch einen Hügel erklimmen und mit einer abenteuerlichen Seilkonstruktion und angebrachter Seilbahn wieder hinunter düsen. Rauf und runter, immer munter, ja, das könnte das Motto des heutigen Tages gewesen sein. Was sich nach für den Krieg vorbereitenden Übungen anhört, wurde nicht von strengen Offizieren geleitet, sondern von einem ganzen Team von lustigen Abenteuer-Pädagogen auf die Beine gestellt und lief unter dem Namen „Abenteuerpädagogik“. Alle Schüler nahmen an dieser Pflichtveranstaltung teil. Zwischen den verschiedenen Aktivitäten galt es die Wegmarkierungen, die quer durch den Wald führten, nicht aus dem Auge zu verlieren und nebenbei Buchstaben für ein Lösungswort aufzuspüren. Wölfe begegneten uns bei unseren Streifzügen zwischen den Bäumen zwar nicht, dafür aber ein Wildhund, der uns die ganze Zeit über neugierig verfolgte. Das mehrstündige Programm war nicht sehr herausfordernd (da es auch für die Jüngeren schaffbar sein musste), brachte aber auf jeden Fall einen gewissen Spaßfaktor mit sich. Klassenweise, mit je einem betreuenden Lehrer im Team, eiferten die verschiedenen Mannschaften um die Wette. Auch uns, der deutschen Delegation, wurde am Ende zur Erinnerung eine Siegerurkunde samt Wappen der Schule verliehen. Die Veranstaltung, die einmal im Jahr statt findet, ging jedoch noch weiter. Es wurden Holzscheitel, um nicht sagen zu wollen Baumstämme, aufgestapelt und ein riesiges Lagerfeuer, das mehr an das Feuer eines St. Martinszug erinnerte, entzündet. Dann wurde von der Gitarre begleitetet gesungen, getanzt nicht, aber gelacht.
Nach einer abschließenden, gemeinsamen Aufräum- und Müllsammelaktion ging es dann mit den schuleigenen Bussen zurück ins Lyzeum. Während der Veranstaltung wurden mir die Vorteile einer kleineren Schule bewusst. Alle kennen sich, das Klima untereinander ist gut, das zu den vielen Lehrern auch. Wusstet ihr, dass wir eine scheinbar fast genau so gute Lehrer-Schüler-Relation haben, wie an dieser Privatschule? Ob 28 Lehrer auf 250 Schüler, oder 250 Lehrer auf 2200 Schüler, macht keinen großen Unterschied. Jedoch täuscht die unsrige Zahl, da es sich hier noch lange nicht um die Anzahl der voll arbeitenden Lehrkräfte handelt. Zieht man die Referendariats-Stellen und in Kurzzeit arbeitende Lehrer ab, fällt unsere Lehrerzahl deutlich geringer aus.
So verging auch dieser Tag. Langsam neigt sich mein Kiew-Aufenthalt dem Ende entgegen. Morgen heißt es schon wieder Sachen packen, um übermorgen wieder nach Deutschland zurück zu kehren. Ein Grund den morgigen Tag noch einmal richtig zu genießen!
Viele Grüße aus Kiew,
Daniel K.
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