Sonntag, 30. August 2009

Halbzeit in Kiew

24.04.09 Tag VII
Halbzeit in Kiew
Auch dieser Tag begann mit dem Besuch einer Unterrichtsstunde (heute Ukrainisch, ich habe nicht viel verstanden) und dem darauf folgendem Frühstück. Danach machte sich die deutsche Austauschhälfte auf, den Zoo von Kiew zu erkunden. Da wir mit den zoologischen Gärten in Köln und Duisburg sehr verwöhnt sind, hatte der Kiewer Zoo nicht wirklich etwas Neues zu bieten. Viele Käfige standen leer, die meisten Tiere waren Vögel und die Gehege vieler Tiere würden zum Großteil nicht den deutschen Tierschutzgesetzen entsprechen. Während den Reinigungsarbeiten in einem Insekten-Käfig wurden wir zudem Zeuge, wie sich viele Schaben und andere Insekten in die Gänge verabschiedeten, daraufhin verließen wir schlagartig das Tropenhaus. Die Höhepunkte waren die Zuckerwatte für umgerechnet 35cent, sowie der Streichelzoo. Letzterer rettete der Gruppe mit der ich unterwegs war mehr oder weniger den Tag, da wir hier die meiste Zeit verbrachten, nachdem wir in kürzester Zeit das gesamte Gelände erkundet hatten. In dem Streichelzoo gab es neben Gänsen, Meerschweinchen, Hasen, Hühnern, einem Esel, einem Schaf und Ziegen vor allem Schweine. Diese launischen Geschöpfe bereiteten uns allen Grund zur Freude, wenn sie uns z.B. von hinten an unser Bein stießen und so provokativ Futter forderten oder anfingen, an unseren Schuhen herum zu knabbern. Neben diesen gezähmten, ja fast kultivierten Lebewesen, die kaum mehr natürliche Scheu zeigten, ließ uns der Zoo tatsächlich ein Stück Wildnis erfahren: Bevor man ein Tier zu Gesicht bekam musste man oft (gefühlte) stundenlange Wanderungen in Kauf nehmen, die vorbei oder direkt durch diverse Grünflächen führten. Auch wirkten viele Trennungen zwischen Mensch und Tier nicht sehr Vertrauens erweckend. Wir fühlten uns bei Nahe, wie echte Abenteurer, als wir den Wölfen Gesicht zu Gesicht gegenüber standen und im Stillen hofften, dass der geringe Bewegungsfreiraum ihre Sprungkraft geschwächt hat. Da kuschelten wir lieber mit dem Esel, der es besonders Oliver angetan hatte und das dringliche Bedürfnis zeigte ständig dessen Anziehsachen in den Mund zu nehmen. Oder aber wir fütterten die mürrischen Schweine.
Schnell verging die Zeit und so machten wir uns nach einem Gruppenfoto zurück in unser Ausgangslager für diese „Safari“, in die Schule. Dort verbrachten wir dann auch den Rest des Tages. Wir folgten der Einladung unserer Gastschule in das von Schülern einstudierte Theaterstück und Meisterwerk Shakespeares „Romeo und Julia“, das jedoch auf Grund der wirklich vielen Gesangs- und Musikeinlagen mehr an ein Musical erinnerte. Es war wohl eine kreative Mischung aus Beidem. Während dem „Theamusical“ durften wir einige wirklich begnadete Schauspieler kennen lernen. Auch einige Eltern nutzten die Gunst der Gelegenheit, um live zu erleben, was ihre Kinder so alles auf die Beine stellen. Übrigens war das Stück auf Englisch.
Nach der Tea-Time und einem weiteren Fußballspiel zusammen mit den Ukrainern trennten sich dann die Wege. Oliver und ich gingen mit unserer Gastfamilie ins Schwimmbad. An dieser Stelle ein kleines Experiment. Was fällt dir als erstes ein, wenn du das Wort Schwimmbad hörst? Spaß, Wasser, Wasserrutschbahnen, Sprungtürme, Liegestühle, vielleicht auch Sonne? Ähnlich ging es uns Beiden auch. Umso verblüffter waren wir, als wir uns auf einmal in einer edlen, schicken Halle mit einem einzigen (natürlich nicht langweilig rechteckig, sondern ansprechend geformten) Schwimmbecken wieder fanden. Ob die Ukrainer wohl so etwas wie Spaßbäder kennen? Da hätten wir auch zu Hause bleiben können. Hätten wir, denn jetzt kommt es noch besser. Wir hatten die Schwimmhalle ganz für uns und nahmen nun an dem privaten Schwimmunterricht unserer beiden Austauschpartner teil. Als ich mir etwa 15min vor Ende einen Krampf in meiner Wade zuzog und die Frage, ob mir kalt sei (ich saß zitternd am Beckenrand) bejahte, kam ich in den Genuss mich in die dazugehörige Sauna setzten zu dürfen, die ich ganz für mich hatte und in der ich auf das Ende des Unterrichts gewartet habe. Anschließend ging es nach Hause, wo wir mit einem schmackhaften Essen empfangen wurden.
Heute ist Halbzeit in Kiew. Genau genommen, befinden wir uns bereits in der zweiten Runde. Ich finde von Tag zu Tag mehr Gefallen an dieser Stadt und auch an diesem Lebensstil. Der Spaßfaktor stieg in den letzten Tagen immer weiter an, ja geradezu exponentiell! Ich kann mittlerweile sehr viel kyrillisch Lesen und werde dieses persönliche Ziel (nach dem Austausch kyrillisch Lesen zu können) nach Ablauf der zweiten Hälfte wohl erreicht haben. Doch jetzt ist erst einmal Wochenende.
Liebe Grüße aus Kiew und genießt die freien Tage!
Daniel K.

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