Freitag, 28. August 2009

Eine große Stadt ganz klein

23.04.09 Tag VI
Eine große Stadt ganz klein
Heute wurde ich Zeuge eines innovativen Unterrichtskonzepts. Mir wurde die Ehre zu teil, dem Englisch-Unterricht der 10. Klasse beiwohnen zu dürfen. Vorab muss man wissen, dass es in der Schule einen extra „Sprach-lern-Raum“ gibt. Dieser sieht mehr wie ein Computerraum aus, da er mit zahlreichen Computern und den dazugehörigen Headsets, einer Beamereinheit und einem Weltempfängerradio ausgestattet ist. Als ich den Raum betrat, war das erste, was mir auffiel das englische Radio, welches im Hintergrund lief. Der zuständige Lehrer begrüßte mich freundlich und leitete eine Vorstellungs- und Fragerunde für die ukrainische Schüler und mich ein. Am meisten interessierte sie verständlicherweise unsere Schule, von der sie bereits viele Dinge gehört zu haben schienen, die sie jedoch verifizieren wollten (Yes, we have really more than 2000students.).
Anschließend hörten wir (jeder für sich mit seinem Headset) die (aktuellen!) Kindernachrichten der BBC. Dann mussten wir am PC auf einer Word-Vorlage einen Lückentext auszufüllen und Fragen beantworten. Danach gab es wieder eine Diskussionsrunde (es ging vor allem um die momentanen Wahlen in Südafrika), in die jeder Schüler vom Lehrer verwickelt wurde. Sozusagen als Auflockerung sangen wir danach das Lied „You never walk alone“, beschäftigten uns mit einem englischen Lernspiel (natürlich am PC) und wurden danach zum Frühstück in die Pause entlassen. Mir hat diese Unterrichtseinheit sehr gut gefallen. Der Schwerpunkt scheint hier sehr auf dem Verstehen von Englisch, aber auch auf dem Sprechen (von mehr als einem Satz) zu liegen.
Im Anschluss an das Frühstück machten wir uns abermals auf, um gemeinsam das Abenteuer U-Bahn zu bestehen. Geschlossen als Gruppe bahnten wir uns einen Weg durch die Masse, jeder hatte ein Auge auf seinen Nachbarn und ein zweites auf Oliver (er weiß warum ;-) ). Wie Tiere in ihren Höhlen lauerten die Straßenbahnen in den spärlich beleuchteten Katakomben. Und wie Schlangen, die nach Beute schnappen, beschleunigten sie mit einem ungeheuren Tempo und bremsten so abrupt ab, dass sich in unerfahrenen Gruppen, wie wir z.B. eine waren, besonders bei der ersten Anfahrt/Bremsung schnell der Domino-Effekt einstellte. Kein Wunder, dass Damen auf den Bahnstationen beschäftigt waren, deren offensichtliche Aufgabe darin bestand, die Leute hinter die Sicherheitsmarkierung zu verweisen. Eine sinnvolle Maßnahme.
Wie auch immer. Nach dieser Achterbahnfahrt waren wir dann nur noch wenige Schritte von unserem Expeditionsziel entfernt. Möchte man sich in 15Minuten einen Überblick über Kiew und seine bedeutendsten Bauwerke verschaffen, hat man prinzipiell zwei Möglichkeiten: Man kann sich einen Jet mieten und über Kiew düsen, oder man besucht das Miniaturland, in dem man die wichtigsten Monumente sogar aus der Nähe bestaunen kann. Während der kurzen Führung gab es nur wenig Neues zu erfahren. Die Gebäude waren im Vergleich zueinander nicht maßstabsgetreu und auch nicht sehr detailliert. So wurde gespottet, dass selbst die Gebäude im Legoland naturgetreuer seien.
Nach diesem Besuch ging es in die Stadt, wo wir etwas Freizeit hatten, welche von den meisten genutzt wurde, um sich auf das beliebte Fastfood-Restaurant „Zu den goldenen Bögen“ zu stürzen, das hier etwa halb so teuer ist, wie die Kopie in Deutschland. Mit Magenschmerzen geplagt ging es dann zu Fuß zurück zur Schule. Nach dem wohltuenden Verdauungsspaziergang nahmen einige wenige ihr „offizielles“ Mittagessen zu sich.
Nach einer kurzen Mittagspause folgten wir der Einladung zu einem Konzert, das von vielen Schülern verschiedener Jahrgangsstufe vorbereitet war. Von einem sehr jungen Moderator, der uns alle mit seinem „niedlichen“ Deutsch verzauberte, wurden wir durch das Programm geführt. Es war breit gefächert. Es reichte von Coversongs, über Tanzeinlagen, Rockklängen und Gitarrensolos bis hin zu einem kleinen Orchesterstück, das den Abschluss der rundum gelungenen Show bildete. Wir fühlten uns aufgrund des uns gewidmeten Konzerts sehr geehrt und zeigten unsere Begeisterung in tobendem Beifall.
Nach der „Tea-Time“ kamen wir dann noch in den Genuss einer Tennis-Stunde und verließen ausgepowert, aber glücklich um halb 6 das Lyzeum.
Im Anschluss war ich mit meiner Gastfamilie noch bowlen - in einem modernen, schicken Bowlingcenter. Dies bildete den Abschluss eines sonnigen Tages, der mir zu meiner Erkältung, die vermutlich von der Klimaanlage des Hauses stammt, noch einen Sonnenbrand bescherte.
Sonnige Grüße aus Kiew,
Daniel K.

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