20 Minuten zu früh erreiche ich den örtlichen Bahnhof. Die Sonne lacht, die Vögel zwitschern, alles weist auf einen wunderbaren Tag hin. Das erste mal durch atmen, nach zwei mehr oder weniger stressigen Tagen. Langsam trödeln auch meine Mitfahrer ein.
Auf Grund der problematischen Tatsache, dass sich ein Reisepass einer Schülerin noch im Fach von Frau Meyer - sprich in der Schule - befand, lag es an Herrn Schmidt die Gruppe mit der Bahn (die natürlich Verspätung hatte) voraus fahren zu lassen und währenddessen sich in das Schulgebäude einzuschleusen und die wichtigen Dokumente in seinen Besitz zu bringen, um anschließend mit dem PKW nachzukommen.
Nach einer unproblematisch verlaufenden Umsteigeaktion in Köln Deutz gab es dann ein mehr oder weniger fröhliches Wiedersehen am Köln-Bonner Flughafen. Nachdem alle die wachsamen Wärter mit ihren piepen- und blinkenden Spielzeugen passiert hatten, das Gepäck vermessen und verwogen war, ging es auch für uns ins Flugzeug. Während ich besonders das Gefühl beim Start und der Landung genoss, über den Wolken im siebten Himmel schwebte und mich von den schicken Stewardessen mit kostenlosem „Orangejuice“ (Wasser mit Zucker und gelber Farbe) und ebenfalls freiem „Kaffee“ (heißes Wasser mit Zucker und brauner Farbe) verwöhnen ließ, machte mein Sitznachbar Gebrauch von den lustigen, weißen Tüten, von denen ich ursprünglich eine aufblasen und anschließend zerplatzen lassen wollte (was ich aus aktuellen politischen Gründen natürlich nicht gewagt hätte. Die Angst vor Terrorismus ist bei vielen Leuten present). Möglicherweise fühlte mein Sitznachbar sich einfach wegen der klatsch-pinken Lackierung des Flugzeugs unwohl, oder wie ich sich in diesem Barbie-Flugzeug in seiner Männlichkeit beschränkt. Das Personal, das noch schneller als eine berüchtigte Viva-Moderatiorin sprach und die Ansagen auf russisch und englisch verkündete (wobei zu bemerken ist, dass das Englisch mit einem starken russischen Akzent durchsetzt war und die Briten es vermutlich für eine neu aufgekommene Fremdsprache halten würden), machte einen sehr routinierten Eindruck. Ja, es wirkte schon bei Nahe gelangweilt!
Wie auch immer: Die zweieinhalb Stunden in der Luft vergingen wahrlich wie im Fluge. In Kiew wurde uns ein eigener Shuttle-Bus zur Verfügung gestellt, da Herr Schmidt es nicht hinnehmen wollte oder konnte, dass seine Herde zerrissen wird. So gelangten wir alle froh, munter und sogar trocken in den Ankunftshallen des Flughafens. Dort warteten wir dann auf unser Gepäck, dass in etwa so pünktlich, wie die deutsche Bahn bei uns eintraf.
Frohen Mutes schritten wir am Zoll vorbei, die Wachmänner konnten uns gerade einmal hinterher sehen, als wir auch schon von einer sympathischen jungen Frau und vielen Kiewer-Kindern in Empfang genommen wurden. Von dort an trennten sich unsere Wege. Ich bin zusammen mit Oliver in einer Familie untergebracht. Am Flughafen wurden wir vom Privatchauffeur in einem mit verdunkelten Fenstern ausgestattetem Mercedes und unseren beiden Austauschpartnern in einen Vorort von Kiew gefahren.
Wir passierten das sich von selbst öffnende Tor und standen vor einer Villa, die wahrscheinlich sogar Dieter Bohlen neidisch machen würde. Nach einem herzlichen Willkommen von den Eltern wurde mir mein eigenes Zimmer gezeigt, dass neben einem Balkon mit einem LCD-Fernseher, einem Bad und einem traumhaften Bett ausgestattet ist. Als „Mitternachtssnack“ gab es dann noch nach Austausch der Gastgeschenke Toastbrot mit Kavier. Es wurde ein bisschen erzählt und nun liege ich auf meinem Bett, bin aufgeregt auf die bevorstehenden Tage und schreibe an diesem Bericht, um die vielen Erfahrungen erst einmal selbst zu verarbeiten.
In dem Sinne gute Nacht, schlaft schön und träumt alle was Süßes!
Viele Grüße aus Kiew,
euer Daniel K.
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